DIE AMYGDALA

Unspektakulär sieht sie aus. Klein und oval, wie eine Mandel. Und deshalb haben ihr 1937 ihre wissenschaftlichen Entdecker – Heinrich Klüver und Paul Bucy – den Namen Amygdala gegeben, griechisch für Mandel(kern).
Die Amygdala ist paarig angelegt, Teil des Limbischen Systems und zuständig für die rasche und automatische Verarbeitung von Emotionen, vor allem von Furcht und Notsituationen. Zusammengefasst wird die Amygdala in der medizinischen Fachliteratur so beschrieben:
Die Amygdala ist entscheidend an der emotionalen Konditionierung beteiligt (Roth, Seite 70).
Die Amygdala setzt Adrenalin-Hormone frei, die wiederum die Funktion der Körperorgane koordinieren, um Energie für Flucht oder Kampfhandlungen in Gang zu setzen, wenn eine Gefahr wahrgenommen wird (Lipton, Seite 147)
Für mich ist die Amygdala unsere stille Königin des Gehirns. Unsere Beschützerin und Herrscherin über den Stress.
An ihr kommt kein Stressreiz vorbei und schon gar kein Gefahrenreiz. Sie möchte uns immer vor allem Feindlichen beschützen.
Sie ist es auch, die uns den Weg zurück aus dem Stress zeigt. Das schaffen wir nur mit ihrer Unterstützung.
Sie wird außerdem noch – und das ist ja ihre ureigene Aufgabe – als die Mutter all unserer menschlichen Gefühle bezeichnet.
Die Amygdala drückt jedem erlebten Angstreiz den Stempel „wichtig“ auf und speichert ihn.
Dadurch ist sie in der Lage, lebensbedrohliche Situationen sehr schnell wiederzuerkennen und mit Adrenalin darauf zu reagieren.
Aus der Perspektive der Evolution ist sie deshalb überlebenswichtig.
Da die Amygdala eine ausgesprochene Teamplayerin ist, reagiert sie sofort mit einem Stresshormon-Ausschüttungs-Stopp,
wenn sie vom Neocortex die Information erhält, dass keine Gefahr mehr besteht. Die Angst lässt nach,
der Körper beruhigt sich, das Denken funktioniert wieder.
Dauergestresste Menschen machen der Amygdala das Leben schwer. Die Dauerbefeuerung lässt unser Mitochondrialsystem kollabieren. BurnOut ist die Folge. Für beruhigende Gedanken, Entspannungen, Genusserleben und für schönen, konstruktiven sozialen
Austausch ist die Amygdala immer sehr dankbar. Dann nämlich kann auch sie sich entspannen.
Seneca soll gesagt haben, dass das höchste Gut die Harmonie der Seele sei.
Ich erlaube mir zu sagen, dass das höchste menschliche Gut die Harmonie mit der Amygdala ist.

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