DAS LIMBISCHE SYSTEM

Alles, was wir lernen, lernen wir von jemandem,
der schon vor uns das gelernt hat, was wir lernen möchten.

Dr. Christel Frey

 

Mein Wissen über das Limbische System habe ich insbesondere den folgenden drei Büchern entnommen:

Dieter F. Braus
Ein Blick ins Gehirn
Thieme, 2011

U. Ehlert, R. von Känel,
Psychoendokrinologie und Psychoimmunologie
Springer, 2011

Bruce H. Lipton
Intelligente Zellen – wie Erfahrungen unsere Gene steuern
Koha-Verlag GmbH     Burgrain, 2014, 

 

Die ersten drei Milliarden Jahre auf unserer Erde gab es nur Einzeller. Dann schlossen sich die Zellen mit anderen Zellen zusammen.

Am vorläufigen Ende dieser Entwicklung steht der Mensch – mit einem unglaublich klugen Gesamtsystem! Was machen wir daraus?

Es gibt eine Parabel, die besagt, dass wir von der Schöpfung zwei Schlüssel in die Hand gedrückt bekommen – einen zum Himmelseingang und einen zum Hölleneingang! Der Mensch hat immer die Wahl!

Schon mal vorab: Wir sind eines von vielen Naturwundern. Jeder von uns ist ein „Billionen-Zellen-Wesen!“

Schätzungsweise sollen es fünfzig Billionen Zellen sein, die unser Leben organisieren.

Bevor ich weiter schreibe, möchte ich Ihnen unbedingt sagen, dass ich ein Riesen-Fan von diesem Naturwunder bin. Daraus schöpfe ich die Liebe zu und die Hochachtung vor unserem menschlichen Gesamtsystem „Geist-Körper“ – und damit zu jedem Menschen. Das gilt auch für meinen Beruf als psychologische Psychotherapeutin,

als Coach und Unternehmensberaterin. Für mich ist es geradezu eine Pflicht,

unseren Körper hochachtungsvoll und würdevoll zu behandeln.

 

 

In jeder einzelnen Zelle werden die Mechanismen des Lebens durch die Wahrnehmung ihrer Umgebung entscheidend in Gang gesetzt. Damit ist die Aussage, eine Depression sei genetisch bedingt, mit Vorsicht zu genießen.

Denn unser Leben und damit auch unser Körper ist vorrangig eine Reaktion auf Umweltreize. Und hier bin ich wieder bei unserem Gehirn und zwar beim Limbischen System, dem „Bauch im Kopf“, wie es auch bezeichnet wird.

Der Gehirnteil „LS“ hat sich zum obersten und alleinigen Entscheidungsboss ernannt.

Seine Entscheidungen laufen vorrangig über Neurotransmitter ab, welche dann unsere Emotionen bestimmen. Die oberste Aufgabe des LSs ist die Lebenserhaltung. Um diese zentrale Aufgabe zu gewährleisten, muss es uns immer vor lebensbedrohlichen Gefahren schützen. Das Motto dabei lautet:
Lieber eine falsche Entscheidung als tot! Ich mache das an einem Beispiel fest:

Sie laufen im Wald. Plötzlich nehmen Ihre Augen an einem Baumstamm etwas wahr, das aussieht wie eine Schlange! Unser „Arbeitsteam“ im Limbischen Gehirn besitzt so etwas wie eine „High-Speed-Gefahren-Erkennungs-Maschinerie“ (ich kürze sie mit HSGM ab).

Mit dieser reagiert die Amygdala (ein Teil des LS) blitzschnell. Schlange bedeutet Gefahr – und bei Gefahr muss ebenfalls blitzschnell Rettung (Flucht oder Angriff) erfolgen, für die wir Energie brauchen!!!

Und schon gibt die Amygdala den Befehl, Adrenalin in unseren Körper zu pumpen.

Jetzt muss unser Herz reagieren, und die Muskeln machen sich zum Laufen bereit und so weiter. Es sind bis zu 40 Körperaktionen notwendig, damit die Rettung gelingt.

Dass dieses Rettungsprogramm aber bei jeder Angst abläuft, ist den meisten Menschen nicht bewusst. Bei dem Schlangenbeispiel leuchtet dieses Rettungsprogramm noch ganz gut ein, denn das Gift einer Schlange kann tödlich sein.

Wenn es keine Schlange war, sondern nur ein Ast, was soll`s: Das Leben ist gerettet.

Was aber ist mit der Angst, wenn keine Lebensgefahr vorhanden ist? Hier sind mehrere Antworten möglich: Grundsätzlich gibt es keine Angst ohne eine vermutete Gefahr!


Verwechslungsprobleme

  • Unser LS kann nicht jede mögliche Gefahr separat speichern. Deshalb werden wahrscheinlich Gefahrencluster zusammengestellt.

  • Auch hier wieder ein Beispiel: Sie hatten es als Kind mit einem großen, mitteljungen, schlanken, schwarzhaarigen Mann zu tun,

  • der sehr unfreundlich und teilweise aggressiv ihnen gegenüber war. Hier ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ähnlich aussehende Männer für Ihre LS automatisiert eine Gefahr darstellen und bei jeder Begegnung ein zumindest unangenehmes Angstgefühl bei Ihnen ausgelöst wird. Das Beispiel gilt natürlich auch bei Frauen. Wahrscheinlich gehen Sie solchen Situationen weitgehend aus dem Weg.

  • Die Amygdala kann nicht unterscheiden, ob Sie die Gefahr nur denken oder sie wirklich besteht. Gefahr ist für die Amygdala Gefahr,

  • bei der immer der automatisierte Rettungsprozess erfolgt. Hier möchte ich noch erwähnen, dass zuviel Adrenalin im Körper organische Störungen zur Folge hat. Hoher Blutdruck ist eine der häufigsten.

 

Selbstwertprobleme

Viele Ängste resultieren aus Selbstwertproblemen. Nach dreißig Jahren Berufserfahrung bin ich der Auffassung,

dass allen psychischen Problemen Selbstwertverletzungen zugrunde liegen.

Die Gefahr, nicht ernst genommen, missachtet, verachtet, getäuscht, betrogen zu werden und so weiter,

bedeutet für unser LS eine Art Lebens-Gefahr. Es ist die Gefahr, die sich auch bei Mobbingprozessen entwickelt.

Viele Menschen lassen sich den Selbstwertstöpsel von Mobbern einfach ziehen.

Der Selbstwertmangel wird zur psychischen Lebensgefahr.

 

Generalisierungsprobleme
Sollten Sie von Eltern erzogen worden sein, die in allem eine Gefahr sahen, („Kind pass auf! Geh` langsam, mach dies nicht, mach` das nicht, zieh dich ja warm an“, usw.) ist die Generalisierungsgefahr sehr groß. Bei allem, was Sie tun, sieht Ihr LS eine Gefahr.

Dadurch kann sich eine generalisierte Angstbereitschaft ausbilden.

 

Todesangst
Die Angst vor dem Sterben steckt in uns allen, aber sie wird nur allzu gerne weggeschoben. Und das allein schon stresst unseren Körper. Wenn Sie sich die Angst vor dem Tod allerdings bewusst machen, können Sie beginnen, den Tod als ein Teil des Lebens zu begreifen und anzunehmen. Es gilt die Lebensregel: Was ich nicht ändern kann, muss ich annehmen. Das gibt dem Körper Ruhe.

 

Unser Limbisches System handelt immer reflexhaft. Zum realistischen, „vernünftigen“ Denken benötigen wir unser Großhirn. Fragen Sie sich deshalb bei jeder Angst nach der möglicherweise dahinter liegenden Gefahr. Finden Sie keine Gefahr, ist die Angst sicher nicht realistisch und damit auch nicht „normal“!

 

Zuviel Angst heißt automatisch

zu viel Adrenalin im Körper.

Zu viel Adrenalin im Körper heißt

automatisch zu viel Stress. 

Zuviel Stress heißt automatisch

Gefahr für die Gesundheit.

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